Formel 1: Bahrain Grand Prix 2014, Vorschau

3.4.2014. Der dritte Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet beim Großen Preis von Bahrain auf dem Bahrain International Circuit in Sakhir statt.

Aussagen der Fahrer / Teamleitung

Lewis Hamilton

Es war großartig, in Malaysia meinen ersten Sieg in dieser Saison einzufahren. Der Doppelsieg war ein fantastisches Ergebnis für das Team und ich kann das nächste Rennen in Bahrain kaum noch erwarten. Ich stand hier schon einige Male auf dem Podium, konnte bislang aber aus den unterschiedlichsten Gründen nie gewinnen.
Bis zum vergangenen Wochenende verhielt es sich für mich mit Malaysia genauso. Drücken wir die Daumen, dass ich in diesem Jahr vielleicht auch diese Serie brechen kann! Die Woche in Malaysia war ganz schön anstrengend für unser Team und nach dem kommenden Wochenende stehen auch noch Testfahrten an. Demnach wäre es schön, dem Team ein weiteres gutes Ergebnis zu bescheren, bevor es nach einem langen Trip die Heimreise antreten darf. Uns ist bewusst, dass es schwierig wird, unsere aktuelle Form beizubehalten, besonders auf einer Strecke, auf der jedes Team im Winter so viel getestet hat. Aber wir werden weiter Vollgas geben, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Nico Rosberg

Die ersten beiden Rennen waren ein großartiger Start in die neue Saison und ich freue mich schon jetzt darauf, wieder im Auto zu sitzen und diesen Schwung nach Bahrain mitzunehmen. Dort erwartet uns eine tolle Strecke, auf der ich wirklich gerne fahre. Bislang hatte ich an den Rennwochenenden in Bahrain nie besonders viel Glück, aber in diesem Jahr bin ich darauf bestens vorbereitet. Im Dezember war ich für den Pirelli-Test in Bahrain und während der Wintertestfahrten haben wir ebenfalls zwei Wochen lang hier getestet. Natürlich gilt das auch für die meisten anderen Fahrer und Teams, weshalb wir uns auf einige enge Zweikämpfe an diesem Wochenende einstellen können. Wir mögen derzeit beide Weltmeisterschaftswertungen anführen, aber unsere Konkurrenten sitzen uns im Nacken. Jetzt müssen wir fokussiert bleiben und uns in Ruhe auf unsere Arbeit konzentrieren.

Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef

Wir können auf unsere Leistung am vergangenen Wochenende in Malaysia berechtigt stolz sein. Dennoch bleibt kein Raum für Selbstzufriedenheit. Nach zwei Rennen führen wir sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurs-Wertung an. Das Wichtigste an dieser Erkenntnis ist jedoch, dass wir erst zwei Rennen gefahren sind. Wir befinden uns noch in der Anfangsphase eines fordernden Jahres für uns alle. Aber schon jetzt haben wir gesehen, dass sich das Blatt sehr schnell wenden kann. Deshalb gehen wir das Wochenende in Bahrain mit der gleichen Einstellung wie alle bisherigen Herausforderungen in dieser Saison an: Wir dürfen absolut nichts als selbstverständlich ansehen.

Paddy Lowe, Executive Director (Technical)

Ein historischer Doppelsieg für das Team, der von sieben Fahrzeugen mit Mercedes-Benz Power in den Top-10 abgerundet wurde: Malaysia war wahrlich ein höchstzufriedenstellendes Ergebnis für unsere Kollegen in Brackley und Brixworth. Die Grundlage dafür waren die harte Arbeit und die feste Entschlossenheit einer fantastischen Gruppe an Personen, die diese Erfolge absolut verdient haben. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass wir jetzt nicht nachlassen. Alle Teams haben im Winter auf dieser Strecke getestet, weshalb man Bahrain zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison durchaus als Messlatte für die Wettbewerbsfähigkeit der Teams ansehen kann. Die Kombination aus hohen Anforderungen an die Traktion und variablen Grip-Levels ist eine Herausforderung für Auto und Fahrer. Die langen Geraden verlangen unterdessen nach einer starken Performance der Power Unit. Wir erwarten an diesem Wochenende ein extrem ausgeglichenes Feld. Dabei wird es interessant, zu sehen, wie sich die Autos in den vergangenen Wochen seit unserem letzten Besuch hier weiterentwickelt haben.

Bahrain International Circuit: Inside Line

Im Cockpit

Lewis

Die Strecke in Bahrain ist eine echte Herausforderung, ganz besonders mit Blick auf die Überhitzung der Reifen. Oft wird Sand auf die Strecke geweht, was zu den besonderen Merkmalen dieses Kurses zählt und eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Eine sandige Strecke hat weniger Grip als eine saubere und hier muss man selbst zwischen den Qualifying-Anschnitten mit Veränderungen rechnen.

Der Streckenverlauf bietet eine tolle Kombination aus schnellen, langsamen und mittelschnellen Kurven, die hart für die Fahrer und das Auto sind. Die Runde beginnt mit einer langen DRS-Geraden, die zur ersten Kurve führt; einer sehr engen Rechtskurve, in der man in den ersten oder zweiten Gang herunterschaltet, um dann auf dem Weg in Richtung der Kurven zwei und drei sofort wieder hochzuschalten.

Nach der zweiten von insgesamt vier Geraden folgt Kurve vier, die man sehr hart anbremsen muss und die dich am Kurvenausgang überraschen kann. Wenn man den Scheitelpunkt schneidet, fällt die Strecke ab und es kann recht knifflig werden, das Auto vor dem Wegrutschen zu bewahren. Die Kurven fünf bis acht sind eine Bergabpassage. Danach geht es wieder leicht bergauf, bis mit den Kurven neun und zehn eine knifflige Kombination folgt. Beide sind überhöht und es ist leicht, dort das kurveninnere Rad zu blockieren, weil die Kurve immer enger und enger wird.

Als nächstes folgt die dritte Gerade, auf der sich die zweite DRS-Zone befindet. Das macht Kurve elf zu einer der besten Überholstellen der Strecke. Diese flüssige Kurve geht in die Rechtskurve zwölf über. Man versucht, dort Vollgas durchzufahren, um dann Kurve 13 anzubremsen, deren Scheitelpunkt man spät nimmt. Es ist entscheidend, das richtig hinzubekommen, da diese Kurve direkt auf die vierte und letzte Gerade der Strecke führt. Das gleiche gilt für die Kurven 14 und 15, die zurück auf die Zielgeraden führen.

Nico

An diesem Wochenende sind wir mal wieder in Bahrain, auf einer Strecke, die uns in diesem Jahr bestens bekannt ist. Angesichts der Testbeschränkungen ist es dieser Tage recht ungewöhnlich, so viele Testfahrten auf der gleichen Strecke zu haben. Bahrain ist damit die Strecke im Rennkalender, auf die wir am besten vorbereitet sind. Direkt nach dem zweiten Saisonlauf in Malaysia ist es auch das erste Back-to-Back-Rennen des Jahres. Der Bahrain International Circuit ist ein moderner Kurs mit erstklassigen Anlagen. Es gibt viele lange Geraden und die Strecke ist sehr schnell. Das Streckenlayout ist klasse und es macht viel Spaß, hier zu fahren.

Kurve eins ist eine der Schlüsselkurven der Strecke. Hier gibt es nach der langen Start-/Zielgeraden viele Überholmanöver. Dann gibt es noch die lange, schnelle Kurve zwölf am Ende der Strecke, die zu Kurve 13 und einer weiteren Geraden führt. Diese Kurve ist recht knifflig, da sie die Hinterreifen stark belastet. Im vergangenen Jahr waren überhitzende Reifen und der Reifenabbau zwei große Themen in Bahrain. Darauf werden wir auch in diesem Jahr achten müssen, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Wie in Melbourne fahren wir an diesem Wochenende mit der weichen und mittleren Reifenmischung, die wir dadurch schon ganz gut kennen.

Ebenfalls wie beim Saisonauftaktrennen in Melbourne wird der Benzinverbrauch in Bahrain eine entscheidende Rolle spielen. Diese beiden Strecken sind diesbezüglich wahrscheinlich die härtesten des Jahres. Deshalb sollte es uns sehr helfen, hier bei den Wintertests so viele Runden getestet zu haben. Dabei haben wir viel über den Benzinverbrauch auf dieser Strecke gelernt und wie wir ihn für das Rennwochenende optimieren können. Dennoch werden wohl alle Fahrer während des Rennens ein Auge auf dem Verbrauch haben. Wer am wenigsten Benzin verbraucht, wird dadurch einen kleinen Vorteil haben.

Am Kommandostand

Ausdauer

Bahrain ist für alle Teams, die sich für diese Abfolge entschieden haben, das dritte Rennen für die Power Unit und das Getriebe. Damit entwickelt sich langsam ein detailliertes Ausdauerbild. Direkt nach dem Rennen in Malaysia ist es auch das erste Back-to-Back-Rennen der Saison. Dies sorgt für eine gewisse Belastung bei den Fahrern, Teams und Abläufen. Es steht nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, um die Daten zwischen dem ersten und dem zweiten Rennen zu analysieren und aufzubereiten. Trotz der unvermeidlichen Ermüdung müssen die Teams äußerst effizient arbeiten und sicherstellen, dass alle Punkte innerhalb eines viel kürzeren Zeitraums abgehakt werden.

Erfahrung

Obwohl die Strecken- und Lufttemperaturen leicht anders sein werden, besitzen die Teams jede Menge Erfahrung von den beiden Wintertestwochen in Bahrain. Die zur Verfügung stehenden Reifenmischungen wurden hier schon eingesetzt und die Fahrer sind bereits mit den neuen Autos auf dieser Strecke gefahren. Von den vielen Unbekannten dieser Saison fallen hier also viele weg. Aus diesem Grund könnten sich die Teams vielleicht dazu entscheiden, nicht ganz so viele Hausarbeiten während des Freitagstrainings zu erledigen wie noch in Australien und Malaysia. So benötigen die Fahrer nicht mehr so viel Zeit, um sich auf die Strecke einzuschießen. Gleichzeitig werden die Teams keine unnötigen Kilometer mit den Autos fahren wollen. Möglicherweise gibt es einige Updates, die im Training ausprobiert werden, weil die Teams eine bekannte Strecke dazu nutzen möchten, um so einen Vorteil daraus zu ziehen, dass sie hier auf einem bestehenden Referenzpunkt aufbauen können.

Startzeiten

Eine Abwechslung zur Vertrautheit mit Bahrain bietet der veränderte Zeitplan für das Qualifying und Rennen. In dieser Saison beginnen beide Sessions um 18:00 Uhr Ortszeit und werden bei sinkenden Temperaturen in die Nacht hinein gefahren. Obwohl die Teams im Winter hier so viel getestet haben, ist dies in Bahrain eine komplett neue Situation für sie, die sicher ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringen wird.

Klima

Das Klima in Bahrain ist sehr konstant. Nicht ganz so konstant sind die Windstärke und die Windrichtung. Beides kann die Fahrzeugbalance spürbar verändern. Je nach Windrichtung kann ein normaler Wind mit 10-15 km/h das Gefühl des Fahrers hinter dem Lenkrad verändern. Gegenwind am Kurveneingang gibt dem Fahrer mehr Vertrauen in die Vorderachse, sodass er besser einlenken kann. Im Gegensatz dazu verursacht Rückenwind Instabilität. Je nachdem, welche Windrichtung vorherrscht und wie sie sich relativ zur Strecke verhält, kann sich das Verhalten und die Performance des Autos verändern. Das kommt in Bahrain besonders zum Tragen, da die Windrichtung sich sehr schnell verändern kann – nicht während einer Session, aber von Tag zu Tag kann sie deutlich anders ausfallen.

Staub

Die Lage der Strecke in der Wüste von Bahrain bedeutet, dass der Kurs von losem Sand umgeben ist. Dieser kann selbst in der Zeit zwischen den Qualifying-Abschnitten auf die Strecke geweht werden und damit den Grip-Level verringern. Darauf müssen sich die Fahrer und Teams vorbereiten. In Bahrain sind auch Sandstürme nicht auszuschließen, die den Fahrern das Leben schwieriger machen können – einige Beispiele dafür gab es während der Wintertestfahrten. Das kann allerdings auch der Grund für ein spannendes Rennen sein. Dies spielt den erfahrenen Piloten in die Karten. Nur wer schon einige Male hier gefahren ist, kann mit diesen Feinheiten umgehen und mögliche Szenarien vorhersehen.

Überholen

Der Bahrain International Circuit bietet einige gute Überholmöglichkeiten. Es gibt lange Geraden und einige Kurven, die zum Überholen anregen, etwa die Kurven eins, vier und elf. Abgesehen von Silverstone, wo außergewöhnliche Umstände galten, sah Bahrain im vergangenen Jahr die meisten Überholmanöver der Saison – insgesamt 94. Dabei spielte jedoch auch ein unnormal hoher Reifenabbau eine Rolle. Ein Unterschied beim Reifenabbau der verschiedenen Autos sowie die dadurch entstehenden unterschiedlichen Strategien führen unweigerlich zu mehr Überholmanövern, da die Autos während verschiedener Phasen ihres Stints aufeinandertreffen und dabei unterschiedliche Performancelevel aufweisen.

Jubiläen

Mercedes-Benz Geschichte

April 1894 – vor 120 Jahren:

Mit dem Patent-Motorwagen „Velociped“ (“Velo”) führt Benz & Cie. ein preiswertes Kompaktmodell in seiner Produktpalette ein. Das Benz Velo wurde das erste Automobil, das in großer Stückstahl gefertigt wurde: insgesamt wurden bis 1901 1.200 Einheiten in verschiedenen Varianten gebaut.
Rennsportgeschichte

6. April 1909 – vor 105 Jahren

Hermann Lang wird geboren. Lang startet 1954 beim Großen Preis von Deutschland ein Mal an einem Formel 1-Wochenende in einem Silberpfeil.

2006 – vor acht Jahren

Nico Rosberg fährt beim Großen Preis von Bahrain seine erste schnellste Rennrunde in der Formel 1.

2007 – vor sieben Jahren

Lewis Hamilton startet beim Großen Preis von Bahrain zum ersten Mal aus der ersten Startreihe.
4. April 2010 – vor vier Jahren

Nico Rosberg startet beim Großen Preis von Malaysia zum ersten Mal aus Reihe eins.
2014 – Gegenwart

Nico Rosberg absolviert in diesem Jahr beim Großen Preis von Bahrain seinen 150. Formel 1-Start.

Im Rampenlicht

2010 – vor vier Jahren

Nach 55 Jahren kehrt die Marke Mercedes-Benz als Konstrukteur in die Formel 1 zurück. Michael Schumacher und Nico Rosberg belegen beim Auftaktrennen in Bahrain in ihren Rennwagen von MERCEDES GP PETRONAS die Plätze fünf und sechs. Nico startete mit den Option-Reifen von Startplatz fünf. Er hatte einen großartigen Start und überholte seinen zukünftigen Silberpfeil-Teamkollegen Lewis Hamilton in Kurve sechs. Damit verbesserte er sich auf Position vier. Michael startete von Rang sieben. Er fuhr ebenfalls mit der weichen Reifenmischung los und lag auf Platz sechs. Beide Fahrer stoppten im Rennverlauf nur einmal: Michael in Runde 15, Nico in Runde 16. Dabei wechselten sie jeweils auf die Prime-Reifen. Beim Boxenstopp verlor Nico eine Position gegen Lewis. Die MERCEDES GP PETRONAS Fahrer blieben für den Rest des 49-Runden-Rennens auf den Positionen fünf und sechs. In der Schlussphase verfolgte Nico Sebastian Vettel, konnte diesen aber nicht überholen. Mit 18 WM-Punkten begann MERCEDES GP PETRONAS die Saison auf Platz drei der Konstrukteurs-Wertung.