Großer Preis von Japan 2014 – Mercedes-Vorschau

30.9.2014. Der 15. Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet im Rahmen des Großen Preises von Japan auf dem Suzuka Circuit statt.

Aussagen der Fahrer / Teamleitung
Lewis Hamilton
Singapur war für mich ein tolles Wochenende. Zum ersten Mal seit einigen Rennen musste ich mir nicht meinen Weg durch das Feld bahnen. Das hat mein Leben sehr viel einfacher gemacht. Im letzten Stint musste ich aufgrund des zusätzlichen Stopps an Sebastian vorbei. Aber das Auto fühlte sich fantastisch an, sodass ich pushen konnte, wann immer es im Rennen notwendig war. Natürlich war es für das Team enttäuschend, dass wir erneut einen Ausfall zu verzeichnen hatten. Doch ich weiß, dass das Team dies zur Priorität erklärt hat. In der Fahrer-Weltmeisterschaft hat es die Dinge nivelliert. Ich hoffe, dass wir von jetzt bis zur Zielflagge in Abu Dhabi einen problemfreien Kampf erleben werden. Mit Suzuka steht ein Rennen im Kalender an, das jeder Fahrer liebt. Zweifelsfrei ist es eine der großartigsten Strecken der Welt. Suzuka verfügt über eine sehr reichhaltige Historie. In der Vergangenheit erlebten wir dort so prägende Momente wie die unvergesslichen Duelle zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Mir ist bisher noch kein Sieg auf dieser Strecke gelungen. Ich stand bisher nur einmal auf dem Podest, und zwar bei meinem ersten Start dort im Jahr 2009. Im Verlauf der Jahre hatte ich durchaus Chancen, die beste vermutlich im Vorjahr. Dieses Jahr besitzen wir ein außergewöhnliches Auto und ich hoffe, dass mir nun endlich der Sprung auf das oberste Treppchen gelingt. Suzuka ist seit 1980 im Rennkalender und seitdem haben alle Großen des Sports dort gewonnen. Ich werde alles geben, um meinen Namen dieser Liste hinzuzufügen.

Nico Rosberg
Ich habe am Sonntag in Singapur gesagt, dass es für mich der härtestete Moment in diesem Jahr gewesen ist und rückblickend trifft das auch zu. Es ist schwer zu schlucken, wenn man bereits vor dem Rennstart grundsätzlich um die Chance auf ein Top-Ergebnis gebracht wird. Zudem verlor ich dadurch sehr viele Punkte in der Weltmeisterschaft. Die Schuld liegt nicht in den Anstrengungen des Teams begründet. Ich habe der Fabrik einen Besuch abgestattet und gesehen, wie hart jeder Einzelne arbeitet. Sie wollen genauso gute Ergebnisse erzielen, wie ich es will. Ich vertraue meinen Kollegen, dass sie die Zuverlässigkeit verbessern können, und weiß, dass sie es hinbekommen werden. Als nächstes steht der Große Preis von Japan an – das ist ein ganz besonderer Grand Prix in der Geschichte des Motorsports. Das Rennen besitzt so viel Geschichte, speziell in Suzuka. Es ist definitiv eine der besten Rennstrecken der Welt. Die Fans sind einfach unglaublich. Sie sind verrückt nach der Formel 1, ihre Begeisterung für den Sport ist einfach großartig. Wir – die Teams und jeder einzelne Fahrer – erhalten von den Fans wahnsinnig viel Unterstützung. Daher genießen wir es sehr, nach Japan zu kommen und die Fans zu treffen. Ich freue mich auf das Wochenende, speziell mit dem Auto, das wir im Moment haben. Die Chance auf ein großartiges Ergebnis ist gegeben.

Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef

Singapur war für unser Team ein bittersüßes Rennen. Beide Piloten haben im Verlauf des Wochenendes eine starke Performance gezeigt, trotzdem hat nur einer am Sonntag die Strecke mit jenem Ergebnis verlassen, das er verdient hatte. Während es schön zu sehen war, wie Lewis die volle Pace unseres Autos nutzen konnte, haben uns die Probleme von Nico verdeutlicht, dass wir unsere Zuverlässigkeit verbessern müssen. Fünf Rennen vor Schluss liegen Lewis und Nico drei Punkte auseinander. Jetzt erwartet sie ein ausgeglichener Kampf. Beide werden auf einer der besten Fahrerstrecken unseres Sports in Suzuka versuchen, den ersten Vorteil für sich zu verbuchen. Für unser Team beginnt mit dem letzten Viertel die intensivste Phase der Saison. Die Motivation innerhalb der Mannschaft ist jetzt stärker denn jemals zuvor in diesem Jahr. Jeder von uns möchte die Saison 2014 stilgerecht beenden.

Paddy Lowe, Executive Director (Technical)

Wir sind mit gemischten Gefühlen aus Singapur abgereist. Lewis zeigte unter schwierigen Umständen, darunter die Safety Car-Phase, eine fantastische Fahrt, die in einem großartigen Sieg endete. Der Verdienst ist dem Team und der Strategie zuzuschreiben, die kühn, aber absolut die richtige Entscheidung war. In der Schlussphase des Rennens hat die Strategie Lewis performancetechnisch eine Menge abverlangt. Aber er hat wie immer eine fehlerfreie Leistung abgeliefert. Auf der anderen Seite mussten wir in Singapur die Enttäuschung über den Ausfall von Nicos Auto wegstecken. Die Ursache liegt in einem Teil, das seit seiner Einführung vor sechs Jahren fehlerfrei funktioniert hat. Dieser Umstand zeigt wiederum, welche Herausforderung die Zuverlässigkeit eines modernen Formel 1-Autos darstellt. Ohne Frage ist es ein Bereich, in dem wir zukünftig eine bessere Leistung zeigen müssen. Die Zuverlässigkeit ist ein Gebiet, auf dem wir bereits in den vergangenen zwölf Monaten intensiv gearbeitet haben und an dem wir künftig nochmal doppelt so hart arbeiten werden. Jetzt blicken wir auf Japan. Suzuka ist eine fantastische Strecke. Einzigartig in ihrem Layout, das einer Acht gleicht, mit spektakulären Kurven und geliebt von den Fahrern. Der Kurs verlangt den Fahrern höchstes Geschick ab, um die richtigen Linien zu erwischen – speziell durch die S-Kurven. Zudem kommt es auf ein gut funktionierendes Auto in punkto Motor, Bremsen und Kurvenverhalten an. Wir hoffen, dass das in unsere Karten spielt und dass wir erneut ein großartiges Resultat erzielen können. Die japanischen Fans gehören zu den besten auf dieser Welt. Wir sind schon gespannt, welche interessanten Kostüme sie dieses Jahr angefertigt haben. Ihre Begeisterung für den Sport ist einmalig. Wir hoffen, dass wir ihnen eine gute Show bieten können.

Suzuka: Inside Line
Lewis
Richtung Kurve eins geht es bergab. Die Kurve ist unglaublich schnell und wird mit Vollgas durchfahren. Für Kurve zwei muss man kurz auf die Bremse gehen. Hier muss man in den dritten oder mit den neuen Autos vielleicht den vierten Gang herunterschalten. Am Ausgang muss man die ganze Breite der Strecke nutzen. Es folgen die legendären S-Kurven. Hier ist es wirklich entscheidend, jeden Scheitelpunkt genau zu treffen und so den Schwung mitzunehmen. In Kurve fünf wird man recht weit hinaus getragen. In Kurve sechs muss man eng hineinfahren. Hier wird man auf die rechte Seite der Strecke hinausgetragen. Das ist eine gute Linie für Kurve sieben. Hier muss das Auto stimmen, um so früh wie möglich Vollgas geben zu können. Denn jetzt geht es den Berg hinauf.
Als nächstes kommen die Degner-Kurven, in denen immer jemand überrascht wird. Den ersten Teil in Kurve acht darf man nicht zu spät anbremsen, sonst findet man sich schnell im Kiesbett wieder. Im zweiten Teil, Kurve neun, kann das Auto am Scheitelpunkt richtig ausbrechen. Dort ist es leicht, einen Fehler zu machen. In dieser Passage gibt es keinen Raum für Fehler, da es kaum Auslaufzonen gibt.
Nach einer kurzen, leicht gebogenen Geraden folgt die Haarnadel, Kurve zehn. Hier ist es wirklich schwierig, anzugreifen. Es gibt sehr wenig Grip, was zum Teil daran liegt, dass auf dieser Strecke die High-Speed-Performance sehr wichtig ist. Deshalb ist das Setup nicht so sehr für langsame Kurven optimiert, wie du es dir dort wünschen würdest. Wichtig ist, gut aus der Kurve herauszukommen, denn es folgt ein Vollgasstück durch Kurve zwölf und bis hin zu Kurve 13. Die Spoon-Kurve, bestehend aus den Kurven 13 und 14, ist wirklich knifflig. Sie ist eingangs sehr schnell und sobald man da ist, muss man die Mindestgeschwindigkeit durch die gesamte Kurve halten. Am Ausgang muss man die ganze Strecke nutzen und so früh wie möglich auf die Gerade hinausbeschleunigen.
Kurve 15, die spektakuläre 130R, ist irrsinnig schnell. Heutzutage fahren wir problemlos mit Vollgas hindurch, aber vor einigen Jahren muss das hart gewesen sein. Nach einem kurzen Stück in Richtung der letzten Schikane, der Casio Triangel in den Kurven 17 und 18, bremst du stark für die entscheidende letzte Stelle der Runde an. Du nimmst den gesamten Kerb mit und trittst erneut so früh wie möglich auf das Gaspedal. Denn die folgende Start-/Zielgerade ist die beste Überholmöglichkeit der Strecke.

Nico
Es ist aufregend, in Suzuka zu fahren. Eine Runde bietet eine sehr gute Mischung und vor allem sehr viele Highspeed-Passagen. Die Strecke ist einzigartig. Sie ist die einzige, deren Form einer Acht gleicht, indem sie sich in der Mitte überkreuzt. Das bedeutet, dass es gleich viele Rechts- wie Linkskurven gibt. Das ist unüblich. Normalerweise gibt es immer mehr Kurven von einer der beiden Richtungen.
Für mich ist der aufregendste Teil der Strecke der erste Sektor. Es ist eine schier nicht enden wollende Sequenz einer Links-Rechts-Links-Rechts-Links-Passage, die den Hügel hinaufführt. Es gibt sehr viele Highspeed-Kurven, eine geht in die andere über. Wenn man eine Kurve falsch erwischt, beeinflusst das sämtliche folgenden Kurven. Daher ist die Strecke eine immense Herausforderung.

On the Pit Wall
Zurück auf einer “normalen” Strecke
Seit dem Rennen in Hockenheim im Juli besaß jede Strecke im Rennkalender eine besondere Charakteristik in die eine oder andere Richtung. Der Hungaroring und der Marina Bay Street Circuit sind enge, winklige Strecken auf denen es nicht so sehr auf die Leistung ankommt und die nur wenige Überholmöglichkeiten bieten. Spa und Monza stellten das genaue Gegenteil dar. Diese Strecken boten mit ihren langen Geraden ein hohes Augenmerk auf die Leistung und stellten hohe Ansprüche an die Power Units. Suzuka darf man hingegen eher als “normale” Strecke bezeichnen. Es bietet eine gute Mischung aus langsamen, mittelschnellen und schnellen Kurven mit einer durchschnittlichen Streckenlänge.

Streckenbedingungen

Die Strecke wird im Verlauf des Jahres von einer Vielzahl verschiedener Motorsportrennserien genutzt. Die Weiterentwicklung der Streckenbedingungen zwischen dem Freien Training am Freitag und dem Qualifying liegt im mittleren Bereich und beträgt rund zwei Sekunden.

Besonderheiten der Strecke

Japan ist mit Blick auf die Zeitverschiebung eines der härtesten Wochenenden der Saison für die Teams. Hier fällt die Umgewöhnung besonders schwer. Das gilt besonders für alle jene, die in den Fabriken in Brackley und Brixworth arbeiten und praktisch für diese Woche eine Nachtschicht einlegen müssen. Das führt unvermeidlich zur Belastung des Körpers. Suzuka selbst ist die einzige Strecke im Rennkalender in Form einer Acht. Der Abschnitt zwischen den Kurven 14 und 15 führt über jenen zwischen den Kurven neun und zehn. Das Verhältnis von Links- (acht) und Rechtskurven (zehn) ist ausgeglichen. Das bedeutet eine relativ gleichmäßige Reifenabnutzung auf beiden Seiten des Autos. Zusätzlich gibt es viele Höhenunterschiede. Der größte liegt zwischen Kurve eins, den dazwischen liegenden S-Kurven sowie der Dunlop-Kurve (Kurve sieben).

Wetter
In Suzuka gibt es regelmäßig Veränderungen der Wetterfronten. Nicht zwangsläufig im Verlauf eines Rennwochenendes, aber durchaus von Jahr zu Jahr. Die Umgebungstemperaturen liegen im Bereich von 23 bis 25 Grad. Die Streckentemperaturen schwanken normalerweise zwischen 25 und 38 Grad. Der Grund dafür ist die sich ständig wechselnde Wolkendecke über dem Kurs. Regen ist nicht ungewöhnlich. Die schwülen Bedingungen führen regelmäßig zu recht starken nächtlichen Gewittern, die sich auch in den folgenden Tag hinein erstrecken können. Wenn es in Suzuka regnet, regnet es richtig. Das zeigte sich zuletzt bei den legendären Papierschiffchenrennen in der Boxengasse im Jahr 2010.

Reifen
Die Strecke in Suzuka ist mit Blick auf die Reifenenergie im oberen Bereich der Skala angesiedelt. Eine Runde bietet viele schnelle Passagen, angefangen bei den S-Kurven. Diese ähneln im Stil der Eau Rouge und gehören zu den bekanntesten Streckenteilen der Welt. Jede Kurve geht in die nächste über und setzt die Reifen starken Belastungen aus. Wie in der Saison 2013 kommen bei diesem Rennen die harte und die mittlere Reifenmischung zum Einsatz. Diese Mischungen haben sich in dieser Saison als sehr vorhersehbar erwiesen. Somit darf ein ähnlicher Trend bei den Boxenstopps erwartet werden. Im vergangenen Jahr kam eine Mischung aus Zwei- und Drei-Stopp-Strategien zum Einsatz. Ein Großteil der Spitzenfahrer entschied sich für die erste Variante.

Überholen
Im Gegensatz zum vergangenen Rennen in Singapur bietet der Kurs in Suzuka eine Vielzahl an guten Überholmöglichkeiten. Die beliebtesten Überholstellen sind normalerweise die erste Kurve und die Anbremszone vor der letzten Schikane. Obwohl Überholmanöver möglich sind, sind sie keineswegs einfach. Die Fahrer werden oft zu spektakulären Manövern gezwungen. Es ist höchst interessant anzusehen, wenn zwei Autos Seite an Seite durch die ersten Kurven fahren oder ein Fahrer sich für einen Angriff ausgangs der 130R für die letzte Schikane in Stellung bringt.

Safety Cars

Oberflächlich betrachtet erscheint die Strecke in Suzuka keine hohe Safety Car-Wahrscheinlichkeit zu besitzen. Tatsächlich verlief nur der Große Preis von Japan 2013 seit der Rückkehr des Rennens in den Rennkalender 2009 ohne einen Safety Car-Einsatz. Die Strecke zählt zu den “Old-School”-Kursen im Kalender. Aus diesem Grund bestehen die Auslaufzonen vor allem aus Wiesen, Kiesbetten und Reifenstapeln. In Kombination mit dem High-Speed-Streckenverlauf führt dies dazu, dass viele Zwischenfälle zu einer Neutralisierung des Rennens führen können. Die enge erste Kurve ist ein weiterer wichtiger Faktor. Hier kommt es vor allem auf der ersten Runde zu Berührungen.

Jubiläen

Mercedes-Benz Geschichte
1.-2. Oktober 1994 –vor 20 Jahren:
Beim Finale der Truck Racing-Saison, die traditionell im spanischen Jarama stattfindet, gewinnt Slim Borgudd in einem Mercedes-Benz 1834 S beide Läufe der Super Race Trucks. Mit den Plätzen zwei und vier gewinnt Steve Parrish seinen vierten Europameistertitel und den ersten in der Super Race Truck Kategorie unter dem neuen Reglement. Slim Borgudd wird Vizeeuropameister und der Herstellertitel geht ebenfalls an Mercedes-Benz.
3. Oktober 2004 – vor 10 Jahren:
Bernd Schneider gewinnt das DTM-Saisonfinale in Hockenheim vor Audi-Pilot Martin Tomczyk. Schneiders Markenkollege Gary Paffett, der ebenfalls in einer AMG Mercedes C-Klasse antritt, belegt Platz drei und wird Gesamtzweiter hinter dem Meister Mattias Ekström (Audi).
4.-14. Oktober 1934 – vor 80 Jahren:
Die exklusivste und eleganteste Ausführung des Mercedes-Benz 500 K, dem Special Roadster, gibt ihr Debüt auf dem Pariser Autosalon.
6.-16. Oktober 1994 – vor 20 Jahren:
Mercedes-Benz präsentiert auf dem Pariser Autosalon eine weiterentwickelte Ausführung der seriennahen SLK Roadster-Studie, jetzt mit einem Vario-Dach. Das innovative Klappdach verschwindet auf Knopfdruck innerhalb von 25 Sekunden im Kofferraum, in dem noch genügend Raum für Gepäck verbleibt.
Rennsport-Geschichte
27. September 2009 – vor fünf Jahren
Lewis Hamilton erzielt beim Singapur Grand Prix den 25. Podestplatz seiner Formel 1-Karriere
28. September 2008 – vor sechs Jahren
Nico Rosberg startet beim Großen Preis von Singapur in sein 50. Formel 1-Rennen
Japan Grand Prix 1996 – vor 18 Jahren:
Mika Häkkinen erzielt den 25. Podestplatz von Mercedes-Benz in der Formel 1
Japan Grand Prix 2003 – vor elf Jahren
David Coulthard erzielt den 125. Podestplatz für Mercedes-Benz in der Formel 1
Japan Grand Prix 2007 – vor sieben Jahren:
Lewis Hamilton erzielt die fünfte Pole Position – und den zehnten Startplatz in Reihe eins – seiner Formel 1-Karriere
Japan Grand Prix 2009 – Five Years Ago
Lewis Hamilton absolviert seinen 50. Grand Prix-Start in der Formel 1