Premiere der Ausstellung „Hans Liska erleben“im Museo Mille Miglia 5.6.2014

Umfangreiche Ausstellung von Mercedes-Benz Classic mit rund 100 Arbeiten des Grafikers Hans Liska in Brescia (Italien)
Erstmals sind Werke aus Liskas privatem Nachlass gemeinsam mit Exponaten der Mercedes-Benz Classic Archive zu sehen
Zur Premiere zeigt Mercedes-Benz Classic auch einen 300 SL Rennsportwagen (W 194) und einen Typ 180 (W 120)

28.5.2014. Am 5. Juni 2014 wird die Ausstellung „Hans Liska erleben“ im Museo Mille Miglia in Brescia (Italien) eröffnet. Mercedes-Benz Classic zeigt erstmals Werke aus dem privaten Nachlass des Grafikers gemeinsam mit einer Auswahl seiner Arbeiten aus dem Bestand der Mercedes-Benz Classic Archive.

Viele der Bilder sind bisher noch nie öffentlich gezeigt worden. Neben Motiven, die Hans Liska vor allem während der 1950er-Jahre im Auftrag von Mercedes-Benz schafft, umfasst die Ausstellung unter anderem auch Szenen aus Oper, Theater, Sport und Zirkus sowie Porträts, futuristische Illustrationen aus der Zeitschrift „Quick“ und Parodien auf Werke der modernen Kunst.

Mit diesem Spektrum würdigt die Ausstellung das Schaffen des 1907 geborenen und 1983 gestorbenen Künstlers Hans Liska umfassend. Die Schau im Museo Mille Miglia ist bis August 2014 zu sehen. Sie ist Teil der Partnerschaft, die Daimler im Frühjahr 2012 mit dem italienischen Museum geschlossen hat. Geplant ist, dass die Ausstellung anschließend in verschiedenen Städten Station macht – unter anderem auch in Stuttgart.

Ob hoch dynamisches Rennplakat oder romantisches Broschürenmotiv aus Italien, dem Sehnsuchtsland deutscher Reisender in der „Wirtschaftswunderzeit“: In jedem seiner Bilder zeigt sich Hans Liskas Gespür für den besonderen Moment, verbunden mit handwerklicher Exzellenz und einer guten Portion Humor. Das wird auch in jenen Arbeiten des 1907 in Wien geborenen und 1983 in der Nähe von Bamberg gestorbenen Künstlers deutlich, die in den 1950er-Jahren für Mercedes-Benz entstehen: Von 1951 an begleitet der Werbegrafiker und Pressezeichner mehr als zehn Jahre lang die sportlichen Erfolge der Stuttgarter Marke ebenso wie die Entwicklung neuer Serienmodelle. Seine Arbeiten erscheinen auf Rennplakaten, in Broschüren und Anzeigen – aber sie werden auch als attraktive Sonderpublikation gedruckt, die künstlerischen Anspruch mit der Faszination an Fahrzeugen und Geschichten des ältesten Automobilherstellers der Welt verbinden.

Möglich wird diese große Bandbreite der Sujets und Techniken (unter anderem monochrome und farbig gefasste Tuschzeichnungen, Gouachen, Ölbilder und gedruckte Plakate) durch die Kooperation von Mercedes-Benz Classic mit der Familie Hans Liskas: Zum ersten Mal werden in „Hans Liska erleben“ Exponate aus dem Bestand der Mercedes-Benz Classic Archive gemeinsam mit Arbeiten aus dem privaten Nachlass des Künstlers gezeigt.

Ergänzt wird die Premiere der repräsentativen Ausstellung im Museo Mille Miglia durch einen Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194) und einen Mercedes-Benz 180 (W 120) aus der Sammlung von Mercedes-Benz Classic. Beide Fahrzeuge erinnern an die wichtige Rolle, die das 1.000-Meilen-Rennen von Brescia nach Rom und zurück in der Mitte des 20. Jahrhunderts für die Rennabteilung von Mercedes-Benz spielt. Zu den Höhepunkten dieser Epoche zählen neben dem Gesamtsieg von Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz SSKL im Jahr 1931 der 2. Platz bei der Mille Miglia 1952 (Karl Kling auf 300 SL Rennsportwagen) und die überragenden Gesamt- und Klassensiege im Jahr 1955 (unter anderem Dreifachsieg mit Mercedes-Benz 180 D in der Dieselklasse).

Die Wertschätzung des einzigartigen motorsporthistorischen Erbes der Mille Miglia drückt Daimler durch die Rolle von Mercedes-Benz als automobilem Hauptsponsor der heutigen Klassiker-Rallye auf den Spuren des von 1927 bis 1957 ausgetragenen Straßenrennens aus – und durch die 2012 geschlossene strategische Partnerschaft des Automobilkonzerns mit dem Museo Mille Miglia.

Hans Liska: Reporter mit Tuschefeder und Aquarellpinsel

Hans Liska ist einer der bedeutenden Presse- und Werbegrafiker in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder, die er mit Stift, Feder und Pinsel schafft, sind mehr als ästhetische Gebrauchsgrafiken – vielmehr erzählt jedes einzelne Motiv eine eigene Geschichte. Die Bildsprache des Österreichers, die er als Zeichner für Zeitungen und Magazine in den 1930er-Jahren und während des Zweiten Weltkrieges entwickelt, löst seine Motive gekonnt von aller formalen Strenge einer nur dokumenierenden Grafik. Stattdessen entstehen starke und dynamische Bilder, die durch stürzende Linien, Bewegungsunschärfe und collagenhafte Gegenüberstellung verschiedener Perspektiven und Maßstäbe sowie Textanteilen geprägt sind.

Auf diese Weise hält Liska auch magische Momente des Motorsports von Mercedes-Benz in den 1950er-Jahren fest: Die Siege der Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194, 1952), die Triumphe der neuen Silberpfeile (W 196 R, 1954/1955) und die Erfolge des Rennsportwagens 300 SLR (W 196 S, 1955). Dazu zählen die großen Siege, aber auch Szenen wie die Kollision mit einem Geier bei der Carrera Panamericana 1952, als der Vogel die Windschutzscheibe des 300 SL der späteren Sieger Karl Kling und Hans Klenk durchschlägt.
Von packender Intensität ist auch die Darstellung der rasanten Durchfahrt von Stirling Moss und Denis Jenkinson in ihrem 300 SLR bei der Mille Miglia 1955 durch eine mittelalterliche italienische Innenstadt. Während die Briten im Vordergrund zwischen Zuschauern, Fotoapparaten und Filmkameras hindurch zum Sieg jagen, hebt sich hinter ihnen sich die zum Trocknen quer über die enge Gasse aufgehängte Wäsche vor dem blauen Himmel ab.

Träume und Alltag des „Wirtschaftswunders“

Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeiten Liskas für Mercedes-Benz ist dafür verantwortlich, dass er heute als wichtiger Chronist des Lebensgefühls in der „Wirtschaftswunderzeit“ geschätzt wird: Es sind Szenen, die sich rund um die Serienautomobile der Stuttgarter Marke abspielen und die dabei den Alltag ebenso gekonnt einfangen wie die Träume der von Wiederaufbau und Wirtschaftswachstum geprägten Epoche: Vom Obsthändler, der seine Waren mit dem auf Hochglanz polierten 170 D Kastenwagen ausliefert, reichen die Motive bis zur glänzenden Premiere des Mercedes-Benz 600 (W 100) auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 1963.
Seiner Phantasie und Erzählfreude lässt Hans Liska besonders in den illustrierten Büchern freien Lauf, die in den 1950er-Jahren mit Mercedes-Benz Motiven entstehen: 1951 erscheint in dieser Reihe das erste „Skizzenbuch“, gefolgt von zwei weiteren Bänden 1953 und 1955. Von seinen eigenen Reisen mit dem Automobil – unter anderem nach Italien und in die Schweiz – bringt der Zeichner Bilder mit, die den Traum vieler Deutscher im jungen Wirtschaftswunder widerspiegeln. Hier experimentiert Liska immer wieder auch mit der Kombination aus Bild- und Textelementen.

Von der Lebendigkeit der Bildsprache in Liskas Arbeiten profitieren aber nicht nur zeitgenössische Motive. Denn Geschichten zu erzählen mit den Mitteln der Grafik, das schafft der in der Nähe von Bamberg lebende Künstler auch zu historischen Momenten. So entstehen in den späten 1950er-Jahren Bilder zu den magischen Momenten der einzigartigen Motorsportgeschichte von Mercedes-Benz: Ausgehend von der ersten Automobil-Wettfahrt im Jahr 1894 bis zu den Siegen der Silberpfeile in der 1930er- und 1950er-Jahren.

Das Museum: Museo Mille Miglia in Brescia

Einmal jährlich bringt die Klassiker-Rallye Mille Miglia mit ihrem Feld exklusiver Fahrzeuge die Faszination des historischen 1.000-Meilen-Rennens vier Tage lang zurück auf die Straße. Das 2004 eröffnete Museo Mille Miglia hingegen ist der Ort, an dem das ganz Jahr über die einzigartige Geschichte des legendären Straßenrennens zu erleben ist.
Das Museo Mille Miglia befindet sich im historischen Klosterkomplex Sant’Eufemia della Fonte vor den Toren Brescias. Das ehemalige Benediktinerkloster wurde im Jahr 1008 von Landolfo, Bischof von Brescia, gegründet. Nachdem das Kloster im 15. Jahrhundert in die Stadt verlegt wurde, dienten die historischen Gebäude als Warenlager, später als Krankenhaus. 1997 fiel die Entscheidung, an diesem geschichtsträchtigen Ort, knapp 20 Kilometer vom Ufer des Gardasees entfernt, ein Museum zur Geschichte der Mille Miglia einzurichten.

Im Fokus der Dauerausstellung, die in neun Epochen eingeteilt ist, steht das Straßenrennen selbst. Aber auch Landes-, Sozial- und Kulturgeschichte Italiens spiegelt das Museum am Beispiel jener Regionen wider, die im Laufe der Zeit von dem Rennen durchquert wurden. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Zeit von 1927 bis 1957, der insgesamt sieben Abschnitte gewidmet sind. Außerdem befassen sich je eine Abteilung mit der Mille Miglia von 1958 bis 1961 und mit der heutigen Veranstaltung für klassische Automobile, die erstmals 1977 ausgerichtet worden ist.

Sonderausstellungen wie „Hans Liska erleben“ widmen sich darüber hinaus individuellen, glänzenden Perspektiven auf die Mille Miglia. Daimler stärkt dieses Potenzial durch die 2012 geschlossene strategische Kooperation mit dem Museum in Brescia. Insbesondere sollen Gemeinsamkeiten des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart und des Museo Mille Miglia hervorgehoben und besser genutzt werden.